Die Journalistin und Filmemacherin Jocelyne Saab, geboren 1948 in Beirut, verstorben 2019 in Paris, war seit Beginn der Siebziger Jahre auch als Kriegsberichterstatterin tätig. Dabei entstand ein Werk, das Chronik und politische Reflexion zugleich ist.
Unser Programm umfasst sechs Filme und gliedert sich in zwei Teile. Der erste, die „Beirut-Trilogie“ – BEYROUTH JAMAIS PLUS (1976), LETTRE DE BEYROUTH (1978), BEYROUTH, MA VILLE (1982) –, dokumentiert den libanesischen Bürgerkrieg von innen: Ruinen im Morgengrauen, ein zerstörtes Haus, ausgelöschte Familiengeschichte.
Der zweite Teil versammelt Filme zum Nahen Osten im Umbruch: LES ENFANTS DE LA GUERRE (1976) über eine Generation, die im Konflikt aufgewachsen ist; IRAN L’UTOPIE EN MARCHE (1980) über die Ambivalenz einer Revolution, in der sich bereits die künftigen Mechanismen von Kontrolle und Unterdrückung abzeichnen; und ÉGYPTE, LA CITÉ DES MORTS (1977) über jene Menschen, die in der Kairoer Nekropole zwischen Gräbern am gesellschaftlichen Rand der Stadt leben.
Saabs Kino ist eines, das vom Anderen her denkt und das – wie Nicole Brenez erkannt hat – getragen wird von einer Verbindung aus Liebe zu den Opfern und Ironie gegenüber den Mächtigen. Es sind Filme, die heute eine neue Dringlichkeit gewinnen.